Peruanischer Amazonas - Im Gran Pajonal bauen Ashéninka-Frauen alte Pflanzensorten an.
Das Gran Pajonal liegt auf einem abgelegenen Hochplateau im Herzen des peruanischen Amazonas, dem angestammten Land des Ashéninka-Volkes. Es ist reich an biologischer Vielfalt, die Bevölkerung leidet jedoch unter chronischer Ernährungsunsicherheit. Diese bedroht die Zukunft der Gemeinschaften und wird durch den Mangel an staatlichen Dienstleistungen zusätzlich verschärft.
Die Herausforderung der Unterernährung
Eine aktuelle Umfrage verdeutlicht das Ausmass des Problems: 78% der Familien geben an, dass sie über das ganze Jahr hinweg nicht über ausreichend Nahrung verfügen und 22% der Kinder unter fünf Jahren leiden an Unterernährung. Diese Situation hängt mit der Abkehr von der Subsistenzwirtschaft zugunsten von Marktfrüchten wie Kaffee zusammen. Die geringen Einkünfte aus diesen Kulturen reichen nicht aus, um die Familien ausreichend zu ernähren. Hinzu kommen der Verlust traditionellen Wissens und das Verschwinden der Wildtiere, einer der wichtigsten Proteinquellen.
Angesichts dieser Notlage unterstützt Nouvelle Planète das Anlegen von Familiengärten in etwa zehn Ashéninka- Gemeinschaften. Sandy, eine der verantwortlichen Frauen, erklärt: „Unser Ziel ist es, alte essbare Sorten wieder einzuführen, die traditionell von den Ashéninka angebaut wurden.“
Jüngste Analysen haben den Nährwert von Knollensorten aufgezeigt. Sie sind besonders reich an Proteinen, Ballaststoffen und Mineralien und daher entscheidend für die Anreicherung der Ernährung der Bewohner, insbesondere angesichts des Proteinmangels.
Es sind vor allem Frauen, die diese Gärten anlegen und pflegen. Ihr Engagement ist umso bemerkenswerter, als es sich um mühsame Arbeit unter schwierigen klimatischen Bedingungen handelt. Diese schwere Last kommt zu ihren häuslichen Pflichten und der Erziehung der Kinder hinzu.
Erste Erfahrungen haben konkrete Herausforderungen aufgezeigt, etwa die geringe Bodenfruchtbarkeit und die Schwierigkeit, Saatgut zu konservieren, da die Ernte von den Familien vollständig konsumiert wird. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, planen die Gemeinschaften, die Böden mit Kompost anzureichern und ihr Saatgut untereinander zu teilen, um einen Austauschdynamik zu schaffen. Sie möchten auch Viehzucht betreiben (Hühnerställe oder Fischteiche), um ihre Proteinquellen zu verbessern.
Dieser Ansatz hat mindestens drei positive Aspekte: Er trägt zur Stärkung der Selbstbestimmung von Frauen bei, verbessert die Ernährung und lässt traditionelles Wissen wieder aufleben.
Aurélien Stoll

