Burkina Faso - Anlässlich unseres 40-jährigen Bestehens präsentieren wir Ihnen einen ersten Rückblick auf unsere Aktivitäten in unseren wichtigsten Interventionsländern, beginnend mit Burkina Faso – dort, wo alles begann.
Burkina Faso ist das erste Land, in dem wir uns engagiert haben. Unsere Interventionen haben dort in den 2010er Jahren eine regelrechte kleine Revolution bewirkt und einen Wendepunkt in unserer Arbeitsweise bezeichnet.
Zuerst haben wir bestehende Gruppierungen unterstützt, die bereits in ländlichen Gebieten aktiv waren. Viele von ihnen wurden damals, und werden noch heute, von bemerkenswerten Frauen geleitet: die Vereinigung Zoodo unter Mariam Maïga, Pag-la-Yiri unter Monique Kaboré oder ASFUD unter Claire Ruamba. Wir haben zudem mit weiteren Strukturen zusammengearbeitet, wie den Naam-Bauerngruppierungen, Burkina Vert, dem CEAS und der Vereinigung Kiswendsida. Unser Engagement erstreckte sich über einen grossen Teil des Zentrums des Landes, von Zabré im Südosten bis Ouahigouya im Norden und sogar darüber hinaus. Über viele Jahre hinweg koordinierte Joanny Tapsoba die Zusammenarbeit zwischen diesen verschiedenen Gruppierungen.
Im Laufe der Zeit haben diese Gruppierungen an Bedeutung gewonnen. Unterstützt von weiteren internationalen Partnern und dank der verbesserten Kommunikationsmöglichkeiten haben sie ihre Aktivitäten erheblich ausgeweitet. Durch sie konnten Tausende von Menschen ihre Lebenssituation verbessern. Mit Stolz erfüllt uns die Tatsache, dass wir am Entstehen dieser positiven Dynamiken beteiligt waren, und wir bleiben weiterhin mit diesen Gruppierungen in Kontakt.
Den Fokus auf eine Region legen
Um eine Zerstreuung zu vermeiden und möglichst nah bei der Bevölkerung zu bleiben, haben wir unsere Strategie neu ausgerichtet und unsere Aktivitäten auf bestimmte Dörfer und anschliessend auf besonders benachteiligte Gemeinden konzentriert. Unsere Interventionen fokussierten sich dabei auf den Zugang zu Trinkwasser und nachhaltige Landwirtschaft, insbesondere durch die Einrichtung von Gemüsegärten, Honig- und Shea-Butter-Verarbeitungsanlagen. Umfassende Unterstützung wurde zunächst in der Gemeinde Toma geleistet und wird derzeit in den Gemeinden Didyr und Godyr fortgeführt. Dabei arbeiten wir eng mit lokalen Frauengruppierungen über die Vereinigung BCOD zusammen, die von Adama Traoré geleitet wird, unserem strategischen Partner seit 2014.
Enge Beziehungen mit der Schweiz
Für viele unserer LeserInnen ruft Burkina Faso die Erinnerung an eine unvergessliche Reise hervor. Bis 2018 haben wir dort über 100 Einsätze organisiert, bevor sich die Sicherheitslage stark verschlechterte und mehrere Attentate stattfanden.
Wir haben zudem zahlreiche Partnerschaften begleitet, von denen einige weiterhin erfolgreich bestehen, wie jene zwischen Bussigny und Titao oder Guinkouma. Unsere 25-jähriges Jubiläum wurde 2011 sogar vor Ort gefeiert, in Anwesenheit einer Gruppe Schweizer Persönlichkeiten. Diese Austausche haben bleibende Eindrücke hinterlassen: das Bild eines gastfreundlichen, mutigen und trotz aller Schwierigkeiten engagierten Volkes.
Interventionen mit grosser Wirkung: Gemüseanbau in der Region Ouahigouya
Dank der Unterstützung der Naam-Bauerngruppierungen, von Burkina Vert und der Vereinigung Zoodo zwischen 1986 und 2010 haben wir Jahr für Jahr zum Anlegen zahlreicher Gemüseanbauflächen in der Region Ouahigouya beigetragen. Der Erfolg dieser Initiativen ist kaum vorstellbar. Heute lebt fast 80% der Bevölkerung der Region vom Gemüseanbau. Die unterstützten Gruppierungen sind zu echten Dachorganisationen des Sektors geworden und in der Lage, ihre Produkte ins Ausland zu exportieren.
Ein prägendes Projekt: Das Beog-Neere-Zentrum für Strassenkinder
Zwischen 2005 und 2015 haben wir die Gründung eines Zentrums zur Aufnahme von Strassenkindern in Kamboincé, am Rande von Ouagadougou, unterstützt. Noch heute beherbergt das Zentrum rund dreissig Kinder und bietet ihnen ein stabiles und sicheres Lebensumfeld. Es verfügt über Schlafräume, Werkstätten, ein Verwaltungsgebäude und eine Schule. In 20 Jahren wurden hier fast 400 Kinder aufgenommen und durch das Engagement zahlreicher Schweizer Freiwilliger unterstützt.
Leider hat sich die Sicherheitslage in Burkina Faso und weitgehend auch in der Sahelregion in den letzten zehn Jahren verschlechtert. Laut UNHCR gibt es heute im Land über 2,1 Millionen Binnenvertriebene. Das ist weit entfernt von den Wüstendurchquerungen zur Materiallieferung während der Operation Sahel Noël 1988. Trotz der Schwierigkeiten konzentrieren sich unsere aktuellen Projekte auf die Gemeinden Didyr und Godyr im Zentrum des Landes, wo die Sicherheit gewährleistet bleibt, und befassen sich mit dem Zugang zu Trinkwasser, Ernährungssicherung und der Stärkung von Frauen. Die erzielten Ergebnisse motivieren uns, unsere Anstrengungen fortzusetzen, um noch mehr Menschen, die unter prekären Bedingungen leben, zu erreichen.
Philippe Randin

