Frauen nehmen an Alphabetisierungskursen teil.

Benin - Lokale soziale Realitäten müssen genau beachtet werden, damit sich Interventionen, auch nachhaltig auf die Familie auswirken.

Eine landwirtschaftliche Verarbeitungsanlage in einem ländlichen Dorf der Region Couffo in Benin einzurichten, ist keine Kleinigkeit. Die Verarbeitungsanlagen für Maniok, Erdnüsse oder Palmenfrüchte beeinflussen nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern auch das soziale Leben, insbesondere die Beziehungen zwischen Ehepartnern.

Frauenförderung

Dank der Projekte kommt es vor, dass die Frauen, die Mitglieder verschiedener Kooperativen sind, ein höheres Einkommen erzielen als ihre Ehemänner. Die Aufwertung lokaler Ernten und der Verkauf verarbeiteter Produkte führen fast automatisch zu einer Neugewichtung der Rollen innerhalb des Paares. Amawi Towade erklärt: „Mein Mann war verärgert darüber, dass ich mehr verdiente als er. Mein Einkommen hat Spannungen in unserer Ehe ausgelöst!“ Diese Spannungen werden zusätzlich dadurch verstärkt, dass viele Schulungen und Begleitungen es den Mitgliedern ermöglichen, neue Kompetenzen in Finanzverwaltung, Kooperativenmanagement und Alphabetisierung zu erwerben. Es handelt sich um echte Instrumente der Emanzipation und Selbstbestimmung.

Harmonie in der Familie

Diese Spannungen, die durch unsere Begleitung ungewollt ausgelöst wurden, kann die erreichten Fortschritte der Verarbeitungsanlagen gefährden.

Um solche Situationen zu vermeiden, haben wir Familienharmonie-Kurse in die Begleitung der Gruppierungen integriert. Ziel ist es, die Ehemänner in den Prozess einzubeziehen und ihnen zu vermitteln, dass alle von den Projekten profitieren. Der zweitägige Kurs behandelt Themen wie Rollenverteilung und deren Entwicklung innerhalb der Ehe, die Identifizierung von Konfliktquellen sowie Strategien zu deren Bewältigung. Er befasst sich zudem mit der Vereinbarkeit von Kooperativtätigkeiten und Familienleben. Der Kurs endet mit einer Verpflichtungserklärung, deren Umsetzung später überprüft wird. Diese Aspekte bleiben in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft eine Herausforderung, in der die männliche Identität stark mit der Rolle des Familienernährers verbunden ist. Dieser Ansatz erfordert viel Sensibilität, doch sein transformatives Potenzial wirkt befreiend, sowohl für Männer als auch für Frauen.

Unsere Interventionen stellen bestimmte soziale Strukturen in Frage und können einige Aspekte des Gemeinschaftslebens ins Wanken bringen. Das ist eine Chance, vorausgesetzt, sie wird angemessen begleitet, damit alle Beteiligten davon profitieren. Amawi Towade fasst zusammen: „Diese Begleitung hat es ermöglicht, den Dialog zwischen meinem Mann und mir zu öffnen und uns zum Wohl unserer Familie näherzubringen. Ich hätte nie gedacht, dass dieses Projekt meinen Alltag so sehr und auf so positive Weise verändern würde.“

Xavier Mühlethaler