Installation einer Biogasanlage im Rahmen eines Einsatzes.
Eine Patientin im Lepra-Behandlungszentrum.

Vietnam - Anlässlich unseres 40-jährigen Jubiläums laden wir Sie ein, auf vier Jahrzehnte engagierter Arbeit in einem Land zurückzublicken, das einen tiefgreifenden Wandel erlebt hat.

Nouvelle Planète gehörte zu den ersten internationalen Organisationen, die sich nach der Öffnung Vietnams im Jahr 1992 im Land engagierten. Von Anfang an konnten wir auf die wertvolle Unterstützung von Tho zählen, einem französischsprachigen Vietnamesen, der uns von seiner in der Schweiz lebenden Familie empfohlen worden war.

Eine Beziehung, die aus dem Krieg entstand

Die Geschichte unseres Engagements ist eng mit dem Aufenthalt von Willy Randin, dem Gründer von Nouvelle Planète, in Vietnam verbunden. Während des Krieges arbeitete er dort mehrere Jahre für das Rote Kreuz. Als sich das Land Anfang der 1990er-Jahre wieder der internationalen Gemeinschaft öffnete, war es für ihn selbstverständlich, nach Vietnam zurückzukehren, um jene Menschen zu unterstützen, die noch immer unter den Folgen des Krieges litten, insbesondere die ethnischen Minderheiten in den abgelegenen Bergregionen. So begann unser Engagement in der Provinz Kon Tum. Dort unterstützten wir ein Lepra- Behandlungszentrum, bauten Schulen, richteten Baumschulen zur Wiederaufforstung und führten Mikrokreditprogramme ein.

Ethnischen Minderheiten

Die Arbeit im vietnamesischen Hochland war nie einfach. Die Grenzregionen zu Laos und Kambodscha sind für ausländische Staatsangehörige nicht zugänglich. In diesen von ethnischen Minderheiten bewohnten Gebieten kontrolliert der Staat die lokalen Aktivitäten sehr genau. Führungspositionen werden häufig mit Verwaltungsbeamten besetzt, die nicht aus den betroffenen Gemeinschaften stammen. Nach 23 Jahren Engagement in der Provinz Kon Tum, das 2016 endete, entschieden wir uns, unsere Arbeit in der weiter nördlich gelegenen Provinz Da Nang fortzusetzen. Auch dort erwiesen sich die administrativen Verfahren oft als langwierig und anspruchsvoll. Trotz dieser Herausforderungen konnten wir zahlreiche Schulen durch den Bau neuer Infrastruktur und später durch die Installation von Trinkwassersystemen unterstützen. Gleichzeitig setzten wir uns dafür ein, die lokalen Kulturen und Sprachen zu fördern und zu bewahren.

Ein allgegenwärtiger Staat

Unser Engagement in Vietnam umfasst auch die Unterstützung der Khmer-Minderheit im Mekongdelta. Dort förderten wir zunächst Zentren für traditionelle Medizin, Kindergärten und den Bau von Brücken. Mit der Zeit konzentrierten wir unsere Arbeit jedoch zunehmend auf den Zugang zu Trinkwasser und die Förderung von Biogasanlagen.

Immer wieder kam es vor, dass der Staat kurzfristig umfangreiche Infrastrukturprojekte in Angriff nahm, ohne dass die lokalen Behörden im Voraus darüber informiert wurden. Gleichzeitig erlebte Vietnam einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufschwung, wodurch sich Armut zunehmend auf einzelne benachteiligte Bevölkerungsgruppen und Regionen konzentrierte. Deshalb richteten wir unser Engagement gezielt auf Bereiche aus, die die staatlichen Massnahmen sinnvoll ergänzten. Die starke Rolle des Staates bringt auch Vorteile mit sich. Einmal umgesetzte Projekte werden häufig in die lokalen Entwicklungsprogramme übernommen. Das erleichtert ihren Unterhalt und trägt zu ihrer langfristigen Nachhaltigkeit bei.

Ein prägendes Projekt: Das Lepra-Behandlungszentrum in Kon Tum

Zwischen 1995 und 2001 unterstützten wir das Lepra-Behandlungszentrum in Kon Tum. In dieser Zeit konnten zahlreiche an Lepra erkrankte Menschen behandelt werden. Später wurde das Zentrum in die dermatologische Abteilung des Provinzspitals integriert. Diese baute ihre Aktivitäten weiter aus, führte ein systematisches Screening in den Dörfern ein und trug entscheidend dazu bei, dass Lepra in der Region heute nahezu ausgerottet ist.

Ein Projekt mit grosser Wirkung: Förderung von Biogas

Seit 2016 unterstützen wir regelmässig Kleinbauernfamilien bei der Installation von Biogasanlagen zum Kochen. Mehr als 800 Familien konnten dadurch ihre Lebensbedingungen verbessern, Brennholz und wertvolle Zeit sparen sowie ihre Energiekosten senken. Gemäss Climate Services wurden durch dieses Projekt rund 20‘000 Tonnen CO2 eingespart. Bei unserem letzten Besuch vor Ort konnten wir feststellen, dass Kochanlagen, die bereits vor zehn Jahren installiert worden waren, noch immer einwandfrei funktionierten, ein eindrucksvoller Beweis für die Nachhaltigkeit des Projekts.

Heute

Unsere heutigen Projekte zur Trinkwasserversorgung in Schulen des vietnamesischen Hochlands sowie bei Familien im Mekongdelta tragen dazu bei, die Lebensbedingungen, die Gesundheit und die wirtschaftlichen Perspektiven ethnischer Minderheiten zu verbessern. Gleichzeitig ermöglicht die Förderung von Biogasanlagen zahlreichen Kleinbauern, mit lokal erzeugter Energie zu kochen und ihren Verbrauch an Brennholz oder Flüssiggas deutlich zu reduzieren. Auch nach mehr als dreissig Jahren Engagement in Vietnam lassen wir uns von derselben Überzeugung leiten: die am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen dabei zu begleiten, ihre Zukunft selbstbestimmt, nachhaltig und solidarisch zu gestalten.

Philippe Randin