Erlebnisberichte

Vous trouverez ci-dessous des témoignages et des interviews de participants.

Erlebnisreise im Rahmen des 30-Jahre-Jubiläums von Nouvelle Planète mit acht Schweizer Persönlichkeiten

Einmalig und sehr eindrücklich gestalten sich die Tage (und Nächte) in Touba Cocky, ungefähr 160km östlich von Dakar. Wie Könige werden wir im Dorf empfangen: stolze Reiter kommen uns galoppierend entgegen. Unser Einzug wird von Trommeln, Gesängen und Klatschen begleitet; die BewohnerInnen dieses 1000-Seelen-Dorfes heissen uns willkommen. Als Gast bin ich überwältigt von dieser warmherzigen Aufnahme, zückemein Handy, möchte diese unglaublichen Momente festhalten. Genau gleich scheint es den Einheimischen zu ergehen.

Am folgenden Tag beginnt die Arbeit. Wir wollen ja während unseres Aufenthaltes den Getreidespeicher fertigstellen, damit die Menschen von Touba Cocky einen Ort haben, wo fortan ihre Hirseernte vor Feuchte, Nässe oder natürlichen Feinden geschützt aufbewahrt werden kann. Der Rohbau des Gebäudes steht schon. Es gilt nun, die Wände zu schleifen und das ganze Haus zu streichen.

Während wir in der Schweiz für jeden Arbeitsgang über diverse Maschinen und Geräte verfügen, gibt es hier ausser einem Eimer Farbe und ein paar Pinseln nichts. Dafür zeichnen sich die Menschen durch einen enormen Innovationsgeist aus und erweisen sich als ausserordentlich unkompliziert. Wenn es darum geht, Farbe zu mischen, steckt Samba, unser senegalesischer Baustellenchef, kurzerhand seinen Arm bis zum Ellenbogen in den Eimer und rührt, bis er die perfekte Kombination zusammengemischt hat. Um die Arbeit zu erleichtern, bräuchten wir mehrere Farbtöpfe, doch es gibt keine. Flugs werden leere PET-Wasserfl aschen halbiert und das Problem ist gelöst.

Wir arbeiten bei 30 bis 35 Grad im Schatten. Auch nachts zeigt das Thermometer Saunatemperatur. Da geniesse ich es sehr, dass für uns alle eine Dusche und ein Klo zur Verfügung stehen. Im Dorf existiert nichts dergleichen. Die Menschen von Touba Cocky leben ohne Strom und fl iessendes Wasser, gewaschen wird alles von Hand. Täglich begeben sich die Frauen zweimal zum Wasserhahn, wo sie ihre Kanister auffüllen können und das kostbare Gut auf dem Kopf von dannen tragen. Ihre Hütten sind einfach und bescheiden, die ganze Familie muss auf ca. 10 – max. 12 m2 Platz fi nden. Unglaublich gastfreundlich sind diese Menschen, laden uns in ihr Zuhause ein, zeigen uns wo und wie sie schlafen, essen, kochen. Ich schäme mich fast, wenn ich an den ganzen Luxus denke, der für uns zu Hause so selbstverständlich ist.

Die Getreidekammer wird rechtzeitig fertig. Eine unvergessliche Einweihungsfeier steht an: Wie am ersten Tag bringen die Einheimischen mit Trommelfeuer, Tanz für und mit uns und grossartigen Reden ihre Freude über das vollbrachte Werk zum Ausdruck. Der Aufenthalt im Senegal wird mir unvergessen bleiben.

Andrea Gmür, Nationalrätin, Luzern